Der Solothurner Literaturpreis 2020 an




Der Solothurner Literaturpreis 2020 geht an die österreichische Schriftstellerin Monika Helfer. Ihr Werk umfasst Romane und Erzählungen, aber auch Theaterstücke und Kinderbücher. In ihrem Roman «Oskar und Lilli» schickt sie zwei verwaiste Geschwister in neue Lebenswelten. Einfühlsam und doch ohne Pathos erzählt sie von der Unbehaustheit zweier verletzter Seelen und ihrer Suche nach Zugehörigkeit. Auf ebenso zurückhaltende wie tastende Weise zeigt Helfer uns damit – eine Seltenheit in der Gegenwartsliteratur – an Kindern, was Menschsein heisst. In «Schau mich an, wenn ich mit dir rede!» finden ein unbeirrbares Mädchen und seine labilen Eltern nach deren Scheidung Halt in neuen Beziehungen. Was als Weiterspinnen einer in der U-Bahn beobachteten Szene beginnt, fügt sich dabei wie von selbst zu einem Roman, der auch durch seine Diskretion, die allen Personen ihre Würde lässt, beeindruckt. Helfers aktueller Roman «Die Bagage» ist eine bäuerliche Familiengeschichte zu Zeiten des Ersten Weltkriegs, in der Helfer ihre eigene Herkunft literarisch verarbeitet. Im Zentrum steht eine Mutter, die ihre Familie durchbringen muss, vom Dorf aber für ihre Schönheit an den Pranger gestellt wird. Gerade ihre Kunst der Auslassungen und Leerstellen machen Helfer zu einer Meisterin der Verdichtung. Damit gelingt ihr ein Neuanfang des bislang belächelten Genres des Heimatromans, dem sie jede Romantik nimmt und ihm Härte und Klarheit gibt.

Ihre Figuren zeichnet ein um keine Konvention bekümmertes Selbstbewusstsein aus, eine Ehrlichkeit der Emotionen und der Haltung, so die Jury, bestehend aus Nicola Steiner (Vorsitz), Lucas Gisi und Hanspeter Müller-Drossaart. Ihr souveräner Umgang mit Sprache, der alle Stilregister beherrscht, macht Monika Helfers Bücher und Figuren für uns Lesende so einprägsam und nachvollziehbar.

Der Solothurner Literaturpreis wird alljährlich «für hervorragende literarische Leistungen» an das Gesamtwerk eines deutschsprachigen Autors oder einer deutschsprachigen Autorin vergeben und ist mit 15’000 Franken dotiert. Die Preissumme wird seit 1994 von verschiedenen Firmen und Gemeinden aus der Region Solothurn gestiftet. Aus aktuellem Anlass findet die Preisverleihung erst 2021 im Rahmen der Solothurner Literaturtage statt.

23. April 2020


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