Der Solothurner Literaturpreis 2019 an




Der Solothurner Literaturpreis 2019 geht an Karen Duve. Wenn sie in ihrem «Regenroman» klassische Männlichkeitsbilder demontiert, wenn sie in «Grrrimm» phantastische Märchenwelten erschafft, als «Taxi»-Fahrerin (die sie selbst war) realistische Milieustudien entwickelt oder in «Macht» den Leser dermassen gnadenlos in die Identifikation mit einem perversen Patriarchen zwingt, dass die schlaflosen Nächte vorprogrammiert sind – immer setzt sich Karen Duve auf neuartige Art und Weise mit dem genuin Menschlichen auseinander. Duve ist eine eigenwillige, originelle und unkonventionelle Autorin, die sich lange vor #metoo literarisch mit der Macht- und Geschlechterthematik befasst hat. In ihrem aktuellen Roman «Fräulein Nettes kurzer Sommer» deutet sie den Kampf der klugen Annette von Droste-Hülshoff gegen das Patriarchat der Biedermeierzeit um. Dabei gelingt es ihr in beeindruckender Weise, Geschichte im Zeichen heutiger Fragestellungen neu zu schreiben und aktuelle Debatten in ihrer historischen Dimension lesbar zu machen. Für diese herausragende Leistung geht der Solothurner Literaturpreis 2019 an Karen Duve.

Der Solothurner Literaturpreis wird alljährlich «für hervorragende literarische Leistungen» an das Gesamtwerk eines deutschsprachigen Autors oder einer deutschsprachigen Autorin vergeben und ist mit 15’000 Franken dotiert. Die Preissumme wird seit 1994 von verschiedenen Firmen und Gemeinden aus der Region Solothurn gestiftet. Der Preis wird vergeben durch eine dreiköpfige Jury, bestehend aus Nicola Steiner (Vorsitz), Lucas Gisi und Hanspeter Müller-Drossaart.

1. Mai 2019
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